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Courtside Live

18. März 2017

Ulms Rekord: Das Geschichtsbuch muss umgeschrieben werden

Von Christopher Meltzer
@Meltzinho

Bamberg? Nein. Bayern? Auch nicht. Es sind die Ulmer Basketballer, die den 47 Jahre alten Rekord von Bayer Leverkusen gebrochen haben: Vor den eigenen Fans besiegten sie Berlin – und schnappten sich den 26. Bundesligasieg in Folge. Doch der Bestwert ist nur ein Zwischenziel auf dem Weg zur großen Mission: der Meisterschaft.


RATIOPHARM ULM (25-0) VS ALBA BERLIN (15-10)82:76 (43:47)
Top-Scorer: Raymar Morgan (18) – Elemedin Kikanovic (25)
Top-Rebounder: Augustine Rubit, Morgan (beide 9) – Malcolm Miller, Kikanovic (beide 7)
Top-Assistgeber: Per Günther (6) – Dragan Milosavljevic (9)


Das Spiel, das das Geschichtsbuch des deutschen Basketballs verändert hat, war ein merkwürdiges. Berlins erster Angriff scheiterte schon am Einwurf, zwei Spielzüge später beging Niels Giffey ein unsportliches Foul. Da johlten und grölten die Ulmer Fans schon. Doch dann tischten die Berliner 47 Punkte bis zur Halbzeit auf. Obwohl Spielmacher Peyton Siva fehlte und obwohl der angeschlagene Ersatzmann Ismet Akpinar nur neun Minuten spielte.

8469 ratiopharm ulm - ALBA BERLIN

In den folgenden 20 Minuten offenbarte sich aber mal wieder: Auf höchstem Niveau fehlt Berlin die Konstanz. Das nutzten die neun tapferen Ulmer. Sie kämpften die Berliner nieder – mit altbewährten Methoden: Raymar Morgan büffelte unter dem Korb, Chris Babb traf aus der Distanz und auch der zuletzt auffällig unauffällige Per Günther streute ein paar hübsche Pässe ein. Nur die Freiwürfe (14 von 25) fielen nicht.

Trotzdem genügte das, um auch das 26. Spiel der Saison zu gewinnen (Hinweis: Der Sieg gegen das inzwischen insolvente Hagen wurde aus der offiziellen Tabelle gestrichen), um den Uralt-Rekord von Bayer Leverkusen zu brechen – und um die Fans in Ulm sehr laut johlen und grölen zu lassen.


Die Namen der Ulmer-Rekordjäger. Für sie wird das Geschichtsbuch des deutschen Basketballs umgeschrieben. Fast sechs Monate liegt es nun zurück, als Ulm reichlich holprig in die Saison gestartet ist. Es bedurfte damals einer Verlängerung. Zwar stellte sich später heraus, dass Bayreuth, Ulms Auftaktgegner, als Spitzenteam einzustufen ist, doch viel hätte nicht gefehlt und die Ulmer Serie hätte gar nicht erst begonnen. Doch dann hielt sie. Und hielt. Und hielt.

8450 25 Spiele, 25 Siege!

An diesem Samstag durften sich die Mitglieder des Ulmer Kaders dann vor den eigenen Fans in der Historie der Bundesliga verewigen. Sie haben dem eigenen Publikum zwar schon mal schöneren Basketball angeboten – doch die Schönheit des Spiels zählte an diesem Abend nicht. Es ging um einen Rekord, der seit 47 Jahren nicht angetastet worden war. Einer, der also gute Chancen hat, eine Weile im Gedächtnis zu bleiben.


Der Siegesrekord ist eine feine Sache. Er wird Ulm weiter Auftrieb verleihen. Doch um Rekorde dieser Art geht es dem Verein in erster Linie nicht. Ulm will endlich einen Titel gewinnen. Schon im Vorjahr zog der Klub ins Finale ein. Doch Bamberg war man nicht gewachsen. Ein Jahr später peilt Ulm wieder das Endspiel um die deutsche Meisterschaft an. Ulm, Bamberg und München – diese drei Teams spielen um den Titel. In der Hinrunde hat sich Ulm gegen beide durchgesetzt. Die nächsten beiden Gegner in der Bundesliga heißen nun: Bamberg und München. Klar, geht es dann auch darum, die Rekordserie weiter auszubauen – vor allem aber darum, den ersten Platz zu behaupten. Dieser bringt den Heimvorteil in den Playoffs. Dort – und nicht nur im Geschichtsbuch – will diese Ulmer Mannschaft ihr Vermächtnis hinterlassen.