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Körners Corner

03. Februar 2017

Und was kommt jetzt? Planungsprobleme in der Chefetage

Michael Körner

Von Michael Körner
@MichaKoerner

Die ersten Spielerverträge wurden bereits verlängert, längst ist jeder BBL-Verein in der Planung für die nächste Saison. Aber so einfach ist das gar nicht. Der europäische Vereinswettbewerb ist nach wie vor eine Dauerbaustelle. Und der amerikanische Spielermarkt wird in diesem Sommer komplett neu aufgestellt. 

So ein Basketball-Verein hat es nicht leicht. Wie überall im Profisport ist der Erfolg ans Geld geknüpft. Selbstverständlich schießt Geld Tore oder wirft Körbe. Meistens jedenfalls. Eigentlich immer. Es kann natürlich vorkommen, dass es innerhalb einer Mannschaft nicht funktioniert, obwohl alle gut verdienen und auch entsprechend talentiert sind. Da wäre Maccabi Tel Aviv aktuell ein gutes Beispiel. Aber da werden dann im Zweifel die entsprechenden Personen ausgetauscht, neue Akteure hinzu geholt und fertig. Was auch wieder eine Sache des Geldes ist.

Es gibt aber auch andere Probleme und die betreffen die Planung. Nehmen wir die Euroleague. Das ist ein ziemlich wildes Konstrukt, aber es funktioniert sportlich ausgesprochen gut. Die Spiele sind spannend und attraktiv, der Modus nachvollziehbar und fair.

Es herrscht aber eine massive Chancenungleichheit bezüglich der Planungssicherheit. Denn von den 16 Teams der Euroleague wissen bereits elf sicher, dass sie in der kommenden Saison auch mit dabei sind. Sie sind als Inhaber einer A-Lizenz sozusagen gesetzt. Daher können sie jederzeit Sponsoren und potenzielle Neuzugänge mit dem Argument ködern, dass man ja in der Euroleague spielt. Zudem können sie die garantierten finanziellen Prämien der Liga bereits fix einplanen und höhere Gehälter zahlen.

Für die deutschen Spitzenteams ist eigentlich nichts so richtig klar. Dem deutschen Meister wird erneut ein Platz in der Euroleague angeboten werden. Vermutlich. Aber der Meister steht erst Mitte Juni fest. Eine Wildcard für einen zweiten deutschen Verein? Angeblich wird darüber bei Euroleague nicht mal nachgedacht.

Und was passiert, wenn ratiopharm ulm deutscher Meister wird? Werden die Ulmer („Wir verstehen uns als Ausbildungsverein“) tatsächlich gewillt sein, in den Euro-Dschungel zu gehen, um sich dort 30 Spieltage einer Herausforderung zu stellen, der sie noch nicht gewachsen sind? Und können sie ihren Platz abgeben? Wer "kann" eigentlich Euroleague? Mit einem Euroleague-Platz 2017/18 kann momentan kein deutscher Verein planen. Nicht Bamberg, nicht Bayern, nicht Berlin, nicht Ulm. Niemand.

Auch für andere europäische Wettbewerbe kann keiner planen, da nicht mal der Basketball-Gott aktuell weiß, wie der chaotische Unterbau konstruiert sein wird. Eurocup, FIBA Champions League, FIBA Europe Cup heißen die momentanen Auswüchse eines andauernden Funktionärstreits, dessen Ausgang völlig ungewiss ist.

Und es kommt noch dicker. Und das betrifft  alle Vereine der easyCredit BBL. Der amerikanische Basketball schwimmt im Geld. Dank höchst lukrativer Fernsehverträge fließen Milliarden Dollar in den Spieler- und Ligamarkt.  Die NBA kassiert von ESPN und Turner Sport für neun Jahre sagenhafte 24 Milliarden (!) Dollar. Ab der Saison 2017/18 tritt ein neues „Collective Bargaining Agreement“ (CBA) in Kraft, eine Art Verteilerschlüssel, wer die ganze Kohle dann am Ende kassiert. Die der NBA zugehörige D-League wird mit zusätzlichen finanziellen Mitteln ausgestattet werden. Die D-League (das „D“ steht für Development, also Entwicklung) besteht aus Vereinen, die sehr eng mit den NBA-Teams kooperieren. Genauer gesagt besitzen bereits 15 NBA-Teams ein eigenes Team, sieben weitere haben eine feste Kooperation. Auch deutsche Spieler wie Tibor Pleiss, Dennis Schröder oder zuletzt Paul Zipser haben ihre Erfahrungen in dieser Liga gemacht. Bisher konnte ein Spieler - so lange er keinen anders dotierten Vertrag mit einem NBA-Klub hat - bei einem D-League-Verein maximal 26.000 Dollar im Jahr verdienen. Viele spielten auch nur für 19.000 Dollar. Das ist nicht viel.

In der easyCredit BBL sollten für einen US-Rookie schon mindestens um die 30.000 Dollar zu verdienen sein. Hinzu kommen häufig ein Auto auf Leihbasis und eine Wohnung. 

Es gilt als sicher, dass die D-League-Gehälter angehoben werden. Mindestens 50.000 Dollar müssen zukünftig einem Spieler pro Saison gezahlt werden, bis zu 75.000 Dollar sind möglich. Das Gehalt wird dem Spieler noch zusätzlich mit der Aussicht garniert, dass jedes seiner Spiele unter den Blicken von NBA-Scouts stattfindet und der Weg zum NBA-Honigtopf entsprechend kurz ist. Außerdem dauert eine Saison in der D-League nur 5-6 Monate, in Europa in vielen Ländern 9-10 Monate.

 

Lieber spiele ich für 75.000 Dollar in USA, als für 100.000 Dollar in Europa

Hört man sich unter den amerikanischen Spielern in Europa um, so ist die Meinung zwar geteilt, aber ein Trend zeichnet sich trotzdem ab. „Lieber spiele ich für 75.000 Dollar in USA, als für 100.000 Dollar in Europa“ lässt sich ein Bekannter des US-Veteranen Derrick Byars zitieren. In einem sehr lesenswerten Gastbeitrag hat sich Byars zu dem Thema ausführlich geäußert. Die Ungewissheit über die weitere Entwicklung des Spielermarkts für US-Amerikaner lässt sich auch hier deutlich heraus lesen.

Einfacher wird es vor allem für die Vereine der easyCredit BBL nicht. Der „günstige“ US-Amerikaner, der mit seiner Athletik und Schnelligkeit den Spielstil einer ganzen Liga vorgibt, wird nicht mehr so leicht zu bekommen sein.

Es wird Auswirkungen geben, die vom Markt reguliert werden müssen. Dann werden eben Spieler aus anderen Ländern (oder gar junge Deutsche) die Kader auffüllen. Dadurch könnte aber die Qualität der Liga leiden. Oder es steigen die Preise für US-Amerikaner allgemein an. Da werden wiederum die hiesigen Geschäftsführer feuchte Stellen in den Achseln bekommen.

Sehr viel schwieriger bleibt die Chancenungleichheit im Falle der Euroleague-Teams zu regeln. Wenn Bamberg kommende Saison keine Euroleague spielt, dann wird dort der komplette Kader auf links gezogen.

Auch bei den Bayern möchte die eine oder andere Spitzenkraft sicherlich sehr gerne in der kommenden Saison auf dem höchstmöglichen europäischen Niveau spielen.

Komplett wild wird die ganze Geschichte, wenn die Euroleague ihre angestrebte Erweiterung durchzieht und eine Vereinbarkeit mit den Spielplänen der nationalen Ligen und Nationalmannschaften eigentlich nicht mehr gewährt werden kann. Braucht ein Verein dann zwei Kader? Oder steigt er im nationalen Wettbewerb erst zu den PlayOffs ein? Auf Dauer kann es eigentlich nur funktionieren, wenn ein Team sich exklusiv für die Euroleague hergibt. Aber wer will denn das, bitte?

Basis des ganzen Schlamassels ist die Zementierung eines elitären Zirkels von Mannschaften, die den kompletten Kuchen unter sich aufteilen wollen. Die Basketballer manifestieren die Undurchlässigkeit des Systems, bevor sie dann (ihrem Glauben nach) immer größere Kuchen backen.

Die Fußballer zerstören ihren Sport auf die gleiche Art, nur andersrum. Das über Jahrzehnte großartig etablierte System der sportlichen Qualifikation zur Teilnahme an hochklassigen internationalen Wettbewerben wird zunehmend verwässert. Auf Kosten von kleinen nationalen Verbänden werden den Top Dogs Deutschland, England, Spanien und Italien vier feste Startplätze für die Champions League garantiert.

Funktionäre wie Karl-Heinz Rummenigge, als Präsident der European Club Association, haben einen neuartigen Verteilerschlüssel der UEFA-Gelder durchgesetzt, der die Erfolge der letzten fünf Jahre massiv berücksichtigt. Das bedeutet nichts anderes, als das die Reichen immer reicher werden. Und das sie dadurch auch in ihren nationalen Ligen die Titel unter sich ausmachen und in jedem Fall ein Dauer-Abo auf einen der ersten vier Plätze besitzen werden.

Fehlt zum Abschluss noch der „Geld regiert die Welt“-Spruch. Und das einem beim Blick in den Spiegel der Sportpolitik nicht Scarlett Johansson anschaut, sondern oftmals eine ziemlich hässliche Fratze.