easyCredit BBL Turkish Airlines EuroCup NBA

Brose Bamberg

13. Juni 2017

Wer nimmt Platz auf Stoscheks Rückbank?

Von Fabian Wenninger

Die Freudentränen sind getrocknet, die Sektkorken aufgesammelt: Nach dem Titel-Hattrick stehen die Verantwortlichen von Brose Bamberg vor einschneidenden Wochen. Sie wollen das Meisterteam zusammenhalten. Die wohl wichtigste Personalie ist bereits geklärt. Dennoch bleiben einige Fragezeichen.

Rolf Beyer blickte ein wenig ungläubig drein. Der finale Buzzer war gerade ertönt – und Bambergs dritte Meisterschaft in Folge war eingetütet. Während alles um ihn herum in schiere Ekstase verfiel, hielt Beyer für einen kurzen Moment inne. Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Sein Blick schweifte einmal durch die komplette Arena, von der klatschenden roten Wand auf der Tribüne zur Bamberger Bank, wo sich Spieler, Betreuer und Trainerstab eng in den Armen lagen. Beyer genoss diesen emotionalen Moment auf seine, stille Weise.

„Es ist ein Riesenrucksack, der da an Schottern abgelegt wird“, beschrieb er ihn wenig später. Viel Last hatte sich in den letzten Monaten auf Bambergs Schultern aufgestaut, auch auf denen des Geschäftsführers. „Wir haben selber an uns gezweifelt“, so Beyer über die Zeit nach dem EuroLeague-Aus. „Schwierige Wochen“ seien das gewesen. Doch diesem Tal kehrte Bamberg später den Rücken und stieg erneut auf den nationalen Gipfel auf. „Für mich ist es mit Abstand der schwierigste, aber auch der schönste Titel“, sagte Beyer.

Rolf Beyer

„Für mich ist es mit Abstand der schwierigste, aber auch der schönste Titel.

Seit 2014 ist Beyer Geschäftsführer in Bamberg. Der mächtige Mäzen Michael Stoschek beorderte ihn damals persönlich ins Amt. Beyer hat sich seitdem einen Namen gemacht. Die drei Titel in drei Jahren sprechen auch für ihn. Wenngleich sein Aufgabenbereich in den kommenden Wochen durchaus wachsen dürfte. Denn Beyer wird bei der Zusammenstellung der Mannschaft eine elementare Rolle einnehmen.

Rolf Beyer im Telekom-Basketball-Podcast-Studio.

Die Position des Sportdirektors, die bislang Daniele Baiesi bekleidete, wird es nicht mehr geben. Das bestätigte Beyer bereits im Telekom-Basketball-Podcast vor der Finalserie. „Alles, was wir im Profiteam und Jugend getan haben, trägt seine Handschrift.“ Baiesi soll seine Arbeit in Bamberg zwar fortsetzen, allerdings wird Yassin Idbihi einen Teil der Aufgaben übernehmen. Während sich der ehemalige Nationalspieler um den Nachwuchsbereich kümmert, wird Beyer die Planungen für die kommende Saison vorantreiben.

Die weitreichendste Entscheidung der Zukunft ist bereits gefallen: Trainer Andrea Trinchieri wird das Bamberger Ensemble weiterhin dirigieren. Nach Telekom-Basketball-Informationen sollte der Italiener diese Nachricht eigentlich bei den Feierlichkeiten am Bamberger Maxplatz bekanntgeben. Doch der mächtige Mäzen Stoschek ließ es sich nicht nehmen, dies höchstpersönlich zu erledigen.

9357 Michael Stoschek verkündet Vertragsverlängerung von Andrea Trinchieri

Dass Trinchieri bis 2019 in Bamberg angestellt sein wird, ist auch ein persönlicher Triumph für Stoschek. Doch können seine Millionen weiterhin auch die Köpfe der Spieler verdrehen? „Ich bin zuversichtlich, dass wir einen guten Kern zusammenhalten“, gibt sich Stoschek optimistisch. Tatsächlich besitzen elf Spieler aus dem Profikader einen Vertrag für die kommende Saison. Darunter sind mit Veteran Nikos Zisis, Kapitän Elias Harris, Jungstar Maodo Lo oder Finals-MVP Fabien Causeur einige Spieler aus Trinchieris Meister-Rotation.


Spielte eine starke erste Saison: Fabien Causeur.

Auch Janis Strelnieks und Darius Miller sind vertraglich noch an Bamberg gebunden. Allerdings haben sie vielerorts Begehrlichkeiten geweckt. Scharfschütze Strelnieks wird mit Kuban Krasnodar, dem Team des ehemaligen ALBA-Trainers Sasa Obradvic, in Verbindung gebracht. EuroLeague-Champion Fenerbahce baggert an Miller. „Ich weiß davon nichts“, ließ Miller am Sonntag durchblicken. „Ich werde erst mit meinem Agenten sprechen. Dann sehen wir weiter.“

Deutlich zäher dürften sich die Verhandlungen mit Daniel Theis und Nicolo Melli gestalten. Die Verträge des Frontcourt-Duos laufen aus. Beide liebäugeln mit dem Sprung in die NBA. Darüber sprechen wollten sie am Sonntag nicht. „Ich will jetzt nicht an diese Sache denken. Ich weiß nur, dass diese zwei Jahre unglaublich waren“, hüllte sich Melli – in nahezu perfektem Deutsch – in heimlichen Schweigen. Für Bamberg wird der Italiener wohl nicht zu halten sein. Zu prägend waren seine Auftritte, besonders in der EuroLeague.

Bei Theis gibt man sich optimistischer. Der Nationalspieler hat seinen Traum von der NBA stets betont. Zweifelsohne wäre er dort aufgrund seiner außergewöhnlichen Athletik gut aufgehoben. Erst kürzlich warb deshalb sogar Kumpel und NBA-Star Dennis Schröder darum, Theis zu sich nach Atlanta zu holen. Ein Verbleib in Bamberg ist jedoch keinesfalls ausgeschlossen, zumal die Entscheidung laut Theis „noch nicht gefallen ist.“ Bamberg ist in den Verhandlungen zumindest der erste Gesprächspartner. Die amerikanischen Teams dürfen offiziell nämlich erst ab dem 1. Juli an vertragslose Spieler wie Theis herantreten.

Wie auch immer sich die Gespräche entwickeln – das Meisterteam wird in Bamberg nicht komplett auseinanderbrechen. Das hat auch allein mit den Ansprüchen zu tun, die weiter steigen werden. Mäzen Stoschek möchte seinen Verein noch stärker auf der internationalen Bühne platzieren. Deshalb wird auch über eine mögliche neue und größere Halle diskutiert.


Zumindest national ganz oben: Michael Stoschek und Brose Bamberg. 

Dafür müssen freilich Erfolge her, nicht nur auf nationaler Bühne. Bamberg ist auch im nächsten Jahr der einzige deutsche Verteter in der EuroLeague. Nur allzu gerne möchte man dort einmal in die besten Acht vordringen. Das braucht neben Stoscheks Millionen auch Beyers Verhandlungsgeschick. Während die Brose-Arena ihre Pforten geschlossen hat und die rot-weißen Konfettischnipsel aufgekehrt worden sind, hat die heiße Phase für die Verantwortlichen gerade erst begonnen.