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BBL-Freitag

06. Januar 2017

Würzburg verliert: Auftakt nach Mmmpfh

Von Sebastian Ulrich

Das Comeback von Dirk Bauermann beim Auswärtsspiel in Göttingen geht schief. Ansätze von Besserung sind trotzdem zu erkennen. Aber Team und Trainer wirken etwas rostig. Göttingen - Würzburg im Überblick.


BG GÖTTINGEN VS S.OLIVER WÜRZBURG - 79:67
(39:29)
Top-Scorer: Alex Ruoff (22) - Kresimir Loncar, Lamonte Ulmer (beide 13)
Top-Rebounder: Ruoff (11) - Ulmer (10)
Top-Assistgeber: Ruoff (8) - Jake Odum (5)

7234 BG Göttingen - s.Oliver Würzburg


Die Augen der versammelten Zuschauerschaft in der Lokhalle dürften im ersten Viertel öfter zur Trainerbank gewandert sein, als auf den Court. Denn während da draußen im Anzug der erfolgreichste Trainer der BBL-Geschichte sein Comeback gab, war vor allen Dingen die Anfangsphase nicht wirklich hübsch anzusehen. Während Würzburg noch mit der neuen Bauermann-Identität zu kämpfen hatte, traf das Team von Johan Roijakkers in der Offensive vor allem den Dreier überhaupt nicht. Das änderte sich im zweiten Spielabschnitt, die BG bekam ihren Angriff ins Rollen, setzte sich kurz vor Ablauf der ersten zwanzig Minuten auf zehn Punkte ab. Die zweite Halbzeit dann unter ganz anderen Vorzeichen: Plötzlich waren es die Göttinger, die ihre Offense überhaupt nicht ins Laufen bekamen, zur Mitte des dritten Spielabschnitts war der Vorsprung auf vier Punkte geschmolzen. Erst Mitte des letzten Viertels bekamen die Gastgeber wieder Tempo ins Spiel, konnten wieder auf 8 davonziehen. Würzburg konnte die Lücke nicht mehr schließen, das erste BBL-Spiel für Dirk Bauermann nach über vier Jahren ging verloren. Der Coach im Interview nach dem Spiel:

7228 Dirk Bauermann: "Man hat gesehen, dass uns die Bindungen fehlen..."


Diese Leistung von Alex Ruoff. Der Star war heute an der Seitenlinie? Von wegen. 22/11/8, nur zwei Verleger seiner Teamkollegen vom Triple-Double entfernt. Und clutch, wie man immer so schön sagt. Ruoff drehte im letzten Viertel richtig auf, entschied die Partie für seine Göttinger. Der Mann machte heute alles. Unangezweifelt Man of the Match. Der Mann des Spiels im Interview:

7231 Alex Ruoff: "Nach der Ulm-Niederlage hatten wir was zu beweisen!"


Das Gebolze. Zumindest könnte so die Anweisung von Dirk Bauermann an seine Würzburger gelautet haben. Vor der Partie waren sie Zweiter in Kategorie Drei-Punkt-Versuche in der Liga, mit 32.5 Prozent von draußen aber sehr ineffektiv mit dem langen Ball. Dementsprechend verändert wirkte das Offensivspiel von s.Oliver Würzburg heute, viel mehr Drives und Post-Ups. Problem dabei nur: Wenn man seinen Stil mitten in der Saison so verändert, werden zuvor wenig genutzte Elemente sehr rostig wirken. Und so war es dann auch.


Post-Moves für die Großen bei Würzburg. Denn die Idee, das sehr ineffektive Spiel mit dem langen Wurf wieder näher an den Korb zu bringen, kann natürlich nur dann funktionieren, wenn man unter dem Korb auch etwas damit anfangen kann. Allen voran waren es Kresimir Loncar und Brendan Lane, die einen nach dem Anderen tief in der Zone zugeworfen bekamen. Gerade zu Beginn des Spiels machte das das Offensivspiel aber sehr zäh, offensichtlich musste man sich an die größere Verantwortung erst einmal wieder gewöhnen.  Nach drei Fehlwürfen in Folge und einem Schrittfehler aus dem Post fand aber zumindest Loncar Mitte des zweiten Viertels seinen Rhythmus – noch zwei drei Wochen mit diesem Matchplan, mehr Wiederholungen für die Großen und das Spiel mit dem Rücken zum Korb könnte zur Waffe werden.


Im Basketball geht es um den Basketball. Klingt ganz einfach oder? Ist es auch. Wer sich besser um das Spielgerät kümmert, es auch mal anderen Leuten vorstellt, aber dabei auch sicherstellt, nie den Kontakt zu verlieren, hat gute Karten am Ende glücklich zu werden. Es ist wie im „normalen“ Leben. Auf das Spiel bezogen lohnt sich dazu ein Blick auf eine Statistik, die sich Assist to Turnover Ratio nennt – Also wie oft ein Pass zu einem Korb führt, im Vergleich dazu wie oft ein Pass zu einer verschütteten Limonade auf den Zuschauerrängen führt. Normalerweise kommt dort irgendein Wert heraus – Bei Göttingen in der ersten Halbzeit nicht. 14 Assists, 0 Turnovers. So effizient, dass gar keine Berechnung mehr möglich ist. Im Vergleich zu den 10 Assists und 9 Turnovers der Würzburger in den ersten 20 Minuten, ist die 10-Punkte-Führung zur Halbzeit leicht erklärt.


Gebolze. Zumindest dürfte so die Anweisung von Dirk Bauermann vor Beginn der zweiten Halbzeit gelautet haben. Denn während das Land jenseits der Dreierlinie in den ersten 20 Minuten noch verbotene Zone war, begannen die Franken plötzlich wieder von draußen zu werfen – und zu treffen. Diese Anpassung  brachte Würzburg zurück ins Spiel. Nach nur zwei Dreiern in der gesamten ersten Halbzeit verdoppelte Stuckey direkt nach der Pause. Auch von weeeeeit draußen:



Dirk Bauermann. Haben Sie’s schon mitbekommen? „Natürlich!“, werden Sie jetzt sagen. Kann man ja kaum verpassen, wenn eine Ikone wie Bauermann ihr Comeback in der BBL gibt. Nun, dem vierfachen Trainer des Jahres war das aber offensichtlich noch nicht klar genug. Er wollte seine Anwesenheit noch einmal ganz deutlich unterstreichen. Und so beschloss der Würzburg-Coach Ende des dritten Viertels, einfach mit auf den Platz zu kommen, bei einem Duell zwischen Odum und Sanders sogar fast dem eigenen Spieler in die Beine zu rennen. Das Resultat: Ein technisches Foul. Welcome back, Mister Bauermann! Hier nochmal zum Genießen:

Bereits wieder in alter Meisterform: Bauermanns "Ah come on, Ref"-Blick: