easyCredit BBL Turkish Airlines EuroCup NBA

Koch-Schule

16. November 2016

Zonenverteidigung – Warum sie an Bedeutung verloren hat!

Stefan Koch

Von Stefan Koch

Es läuft überhaupt nicht für seine Mannschaft, der Kontrahent hat einen Lauf. Entsprechend nimmt der Coach eine Auszeit und stellt die Defensive um. Anstatt mit Mann-Mann agiert sein Team jetzt mit einer anderen Variante. Der Coach hat während der Besprechung auf eine Zonenverteidigung (auch Ball-Raum-Verteidigung genannt) umgestellt. Während in der Vergangenheit diese Abwehrformation durchaus auch über längere Zeiträume eingesetzt wurde, hat sie im modernen Spitzenbasketball stark an Bedeutung verloren. Die Zone wird eigentlich fast ausschließlich wie im beschriebenen Beispiel verwendet – um den Rhythmus des Gegners zu brechen. Warum ist das so, und wie erkennt man, ob es sich um Zone oder Manndeckung handelt?

Ganz vereinfacht gesagt, ist die Zone eine Art Raumverteidigung. Während bei der Variante Mann gegen Mann jeder Verteidiger für einen Gegenspieler verantwortlich zeichnet, liegt bei der Zone der Schwerpunkt darauf, einen bestimmten Raum (so war es in den Anfangszeiten unserer Sportart) bzw. die Angreifer in diesem Raum (dahin ist die Entwicklung logischerweise gegangen) zu kontrollieren.

Diese Beschreibung macht das Problem der Zonenverteidigung schon erkennbar: die Zuordnungen sind nicht immer eindeutig. Die immer weiter voranschreitende individuelle Verbesserung der Spieler insbesondere im Wurf, erlaubt es nicht mehr schlechte Schützen stehen zu lassen – weil es diese einfach so gut wie nicht mehr gibt. Und da Treffer aus einer Distanz von mindestens 6,75 Metern drei Punkte zählen, ist das Risiko groß.

Ein weiterer Schwachpunkt der Zonenverteidigung ist ihre Anfälligkeit gegen Schnellangriffe, die sogenannten Fast Breaks. In einer Manndeckung sind das so wichtige Stoppen des Balles und das Aufnehmen der angreifenden Spieler einfach klarer geregelt. Deshalb entscheiden sich viele Coaches, Zonenverteidigung nur nach eigenem Korberfolg zu spielen, weil dann die Gefahr eines gegnerischen Schnellangriffs deutlich reduziert ist.

Für den Laien ist es oftmals nicht ersichtlich, ob eine Mannschaft Mann-Mann oder Zone verteidigt. Deshalb habe ich drei Szenen aus der Partie der Bayern gegen Bremerhaven ausgewählt, um die Kriterien zu erläutern.

Bremerhaven spielt Manndeckung, was daran zu erkennen ist, dass die Verteidiger den sich bewegenden Angreifern folgen (Hulls – Gavel, Diggs – Lucic). Austin, der Balvin verteidigt, ist abgesunken, um gegen Redding helfen zu können, was dem Tschechen den freien Wurf beschert.

6010 | Mannverteidigung: Austin (#20 BRE) sinkt ab


Auch in der folgenden Sequenz agiert Bremerhaven in Mann-Mann-Verteidigung. Wieder folgt Diggs Lucic. Allerdings übernimmt dann Hulls Redding von Anderson aufgrund des guten Blocks von Gavel. Das ist aber keine Zonenverteidigung, sondern nur ein sogenanntes Switching.

6013 | Mannverteidigung: Hulls (#10 BRE) übernimmt Redding (#15 FCB)


Zum Abschluss dann noch die Zonenabwehr: Gavel und Taylor laufen auf die linke Angriffsseite, ohne dass sie von einem Verteidiger „begleitet“ werden. Man sieht, wie die Bremerhavener per Fingerzeig eine Zuordnung realisieren wollen, was ihnen aber nur mangelhaft gelingt.

6016 | Zonenverteidigung: Zuordnung per Fingerzeig